Initiativen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Gemeinden Pforzheim
 


50 Jahre ACG in Pforzheim

Beitrag des Gründungsmitglieds Rolf Constantin im Jubiläumsgottesdienst am 19. Nov. 2020 in der Herz Jesu Kirche

Recht herzlich darf ich Sie zu dieser Begegnung begrüßen und ein wenig den Weg nachzeichnen, der zur Gründung der ACG in Pforzheim führte. Bereits Ende der 50-er Jahren trafen sich auf ihre aufgeschlossene und unbekümmerte Art die Jugendlichen beider großen Konfessionen zu Begegnungen in der Barfüßerkirche und gestalteten auch den Jugendkreuzweg durch die Stadt vor Ostern. In einem zweiten Schritt bildete sich in den 60- er Jahren ein Ökumenischer Arbeitskreis unter dem katholischen Pfarrer Karl–Heinz Würz, St. Bernhard und Dr. Johannes Kühlewein, der an der Thomaskirche wirkte. Dieser Kreis traf sich monatlich und begann mit der Ökumenischen Woche vor Pfingsten, Kanzelaustausch, gemeinsame Bibelwochen, Gebets-, Vortragsabende und Einladungen und gegenseitige Besuche der Gottesdienste folgten. Ein gewichtiges Thema war die Seelsorge an konfessionsverschiedenen Ehen. Um das Thema Mischehe – Ehe zweiter Klasse und was können die Kirchen für Mischehen tun, ging es im Oktober 1969 im Gemeindesaal der Lutherpfarrei. Dieses Thema griff dann auch mit einer entsprechenden Resolution  an die betreffenden Stellen das erste Treffen von 40 evangelischen und katholischen Geistlichen der Stadt unter dem evangelischen Dekan Wilhelm Hertenstein, Stadtkirche und Dekan Theo Ullrich, St. Franziskus 1969 auf. Unbefriedigend bei allen Aktionen war das sporadische Einbeziehen der freikirchlichen Gemeinden und Gemeinschaften. So kam es im Frühjahr zu einem Gespräch sich aus christlicher Verantwortung stärker miteinander zu vernetzen, um auch gemeinsam mit der Stadt auf drängende soziale Probleme reagieren zu können. 30 Gemeinden und Gemeinschaften schlossen sich dann im Juli 1970 zusammen und wählten Dekan Wilhelm Hertenstein zum ersten Vorsitzenden. Es war damals eine der ersten Arbeitsgemeinschaften in Baden – Württemberg. Den Namen Arbeitsgemeinschaft christlicher Gemeinden wählten wir bewusst, um möglichst vielen Gemeinschaften in ihrer bunten Vielfalt in Pforzheim eine Plattform zu geben.

Der Boden für ein breites Miteinander war damals durch eine Aufbruchstimmung gegeben zumal sich gleichzeitig auch die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Baden – Württembergs entwickelte, in die sich auch Pforzheim mit zwei Vertretern der ACG einbrachte. Es gab genügend Themen, die später auch zu der jährlichen Begegnung Stadt – Kirche in Hohenwart führten. Im Februar 1976 kam es zu einer ersten „Woche des gemeinsamen Zeugnisses der christlichen Gemeinden in Pforzheim“. Das Thema: „Christus eint und befreit“ war der ökumenischen Konferenz, die 1975 in Nairobi stattfand, entnommen. Namhafte Referenten wie Christa Meves, Siegfried Buddeberg, Prof. Illies und das Jansen-Team gestalteten die Woche mit.  In der evangelischen Stadtkirche fand auch der ökumenische Gottesdienst anlässlich der Einweihung des Rathauses am 7. Juli 1973 statt.

Im Vordergrund stand stets das gemeinsame Handeln. Gleich im Advent 1970 kam es zu einem Aufruf die 10000 ausländischen Mitbürger stärker in den Blick zu nehmen. Behörden, Parteien, Betriebe und Hausbesitzer wurden angesprochen sich aktiv für einen gerechten und freundlichen Umgang mit ihnen einzusetzen und Hilfen anzubieten, um das Einleben in fremder Umgebung zu erleichtern.  Pforzheim war damals auch die kleinste Stadt in Deutschland in der unter Pfarrer Buschbeck, Sonnenhofgemeinde, eine Telefonseelsorge „rund um die Uhr“ mit 70 Mitarbeitern entstand, an die sich Menschen in Notsituationen wenden konnten. Daraus entwickelte sich später die Telefonseelsorge „Nördlicher Schwarzwald“. Daneben entstand zeitgleich die „Warme Stube für die Nichtsesshaften“ an Sonn – und Feiertagen von Oktober bis März abwechselnd in den einzelnen Gemeindehäusern der ACG Mitglieder. Sie war auch der Anstoß zur segensreichen Einrichtung der Vesperkirche, die zu den ersten in Baden – Württemberg zählt. Das geistliche Wort in der PZ vor Sonn – und Feiertagen war der Weg in die Öffentlichkeit zu gehen und gibt es seit 1970. Die Medienstelle und die Psychologische Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen seien noch als Anlaufstellen der Gründerzeit genannt, wenn auch die beiden letzten evangelisch–katholisch aufgebaut sind, aber allen zur Verfügung stehen.

Immer ging es darum sich für den Frieden in der Stadtgemeinschaft einzusetzen und für Gerechtigkeit zu sorgen. Dies stand im Mittelpunkt der Aktionen und Begegnungen unterschiedlichster Art der ACG. Christliche Arbeit ist Friedensarbeit. Das verbindet die Christen aller Gemeinden und Gemeinschaften und bildet so die gemeinsame Basis. Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung sind Grundanliegen der Christen und damit auch deren Auftrag.

Daher wünsche ich mir, dass gerade in unserer bunt gemischten Bevölkerung ein friedliches Miteinander, Respekt und Anerkennung der unterschiedlichen Kulturen sowie Wertschätzung unser Miteinander bestimmen und die ACG hier über ihre Mitglieder dazu beiträgt. Daneben, dass sich die ACG verstärkt in der Öffentlichkeit einbringt und auch aktiv dafür wirbt, dass Christen im Gemeinderat Verantwortung übernehmen. Nach wie vor ist Pforzheim ein Magnet was die Zahl der Zuzüge angeht. Da es viele Menschen sind, die oft einen harten und dornenreichen Weg zurücklegen mussten, um bei uns eine neue Heimat zu finden, ist es wichtig auch für diese Menschen in unserer bunten Stadtgemeinschaft Ansprechpartner zu sein.  


ACG

Geschichte der Arbeitsgemeinschaft christlicher Gemeinden in Pforzheim

Der ökumenische Aufbruch in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts führte auch in Pforzheim dazu, dass die Kirchen vor Ort aufeinander zu gingen und miteinander ins Gespräch kamen. Sie entdeckten gemeinsame Aufgaben, ja die Notwendigkeit zu gemeinsamem Handeln.

Am 21. Mai 1970 kam es zu einem ersten Treffen von Vertretern der christlichen Gemeinden und Gemeinschaften der Stadt.

Im ersten Einladungsschreiben heißt es: Es erscheint notwendig, dass wir, die mit Ernst Christen sein wollen, unsere Kräfte nicht verzetteln, sondern, soweit notwendig und möglich, im Bereich unserer Stadt gemeinsam handeln.

Drei Themenbereiche wurden angegangen:

  1. „Unsere Gemeinden im Spannungsfeld der Ideologien unserer Zeit“

  2. „Unsere Öffentlichkeitsverantwortung“

  3. „Unsere soziale Verantwortung“

Weitere Treffen folgten, aus denen dann die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Gemeinden (ACG) in Pforzheim entstand.

Eine Satzung wurde erarbeitet, die am 23. Januar 1973 von der ersten Delegiertenversammlung der Gemeinden, die offiziell der ACG beigetreten waren, beschlossen wurde.


Die Schwerpunkte der ersten ökumenischen Treffen bestimmen bis heute weitgehend die Arbeit der ACG.

  1. Das Gespräch der christlichen Gruppen und Konfessionen untereinander wurde und wird gepflegt.

  2. Ein Beitrag dazu ist die Lange Nacht der Kirchen, die seit 2006 alle 2 Jahre stattfindet und eine gute Gelegenheit bietet, andere Kirchen und Gemeinden zu erleben.

    Die „Charta Oecumenica“ mit ihren 12 Selbstverpflichtungen wurde viel diskutiert und auch in Pforzheim unterzeichnet.

    Hinzugekommen ist seit den neunziger Jahren der interreligiöse Dialog.

  3. In einer pluralistischen Gesellschaft im Sinne der Botschaft von Jesus Christus mitzureden – das sah und sieht die ACG als wichtige Aufgabe an.

  4. So konnte schon in den Anfangsjahren das „Wort zum Sonntag“ in der „Pforzheimer Zeitung“ eingerichtet werden, das bis heute in jeder Freitagsausgabe erscheint.

    Immer wieder nahm man Stellung zu aktuellen Themen.

    1998 z.B. veranstaltete die ACG einen ökumenischen Gottesdienst zum Gedenken an die Reichspogromnacht vor 60 Jahren, der, wie auch das Gedenken 2008, große Beachtung fand.

    Im Jahr der Bibel 2004 finanzierten die Mitgliedsgemeinden Großplakate mit biblischen Zitaten.

    Seit 2000 findet am Ostermorgen um 7.00 Uhr auf dem Wallberg, dem Trümmerberg der Stadt, eine ökumenische Auferstehungsfeier statt.

  5. Im sozialen Bereich eröffnete sich für die ACG ein weites Arbeitsfeld.
  6. Schon im Jahr 1972 wurde eine ökumenische Telefonseelsorge eingerichtet, Vorläuferin der heutigen Telefonseelsorge Nordschwarzwald e.V. Es folgten die sog. Obdachlosennachmittage im Winterhalbjahr an Sonn- und Feiertagen in den Gemeindehäusern der Mitgliedsgemeinden – heute umbenannt in offene Nachmittage. Auch der Anstoß zur Einrichtung einer ökumenischen Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen (seit 1972) wurde von der ACG in ihrer Anfangszeit gegeben. Die Pforzheimer Vesperkirche (seit 2000) und die Suppenküche (seit 2007) wurden von der ACG geplant, beschlossen und durchgeführt.

Zusammengestellt von Maria Trautz, Sommer 2012